Februar 11, 2020

Wenn der Abstieg unabdingbar wird

Wenn der Abstieg unabdingbar wird

Werder Bremen ist seit der Saison 2019/2020, nachdem der HSV eine zweite Spielzeit zweitklassig bleibt, der neue Bundesliga-Dino. Keine Mannschaft hat so lange erstklassig gespielt wie der SVW. Und was waren das für Jahre an der Weser. Die Festung Weserstadion. Geht das Flutlicht an, sind große Abende garantiert. Oder waren es zumindest.

Champions League, Meisterschaften, Pokalfight, Europe League oder UEFA-Cup. Nennt es wie Ihr wollt. Da wo die Weser einen Bogen macht, pilgern zehntausende zu jedem Spiel. Im Prinzip ist das Stadion, wenn das Gästekontingent vollständig abgerufen wird, immer ausverkauft.

Aber die Bundesliga hat sich gewandelt. Man hat sich an die Werksklubs aus Leverkusen und Wolfsburg gewöhnt - auch weil die Mutterkonzerne Bayer und VW keine großen Mittel mehr in die Vereine stecken und gerade die "Wölfe" konstant unkonstant auch gerne mal gegen den Abstieg spielen.

Aber da sind die neuen wie RasenBall Leipzig und TSG Hoffenheim. Finanziert und angeschoben mit Millionen von reichen Gönnern. Während RasenBall nur ein Marketingtool eines Zuckerbrausekonzerns aus Österreich ist (und bleibt), ist die TSG ein "Hobby" eines Milliardäres aus der Rhein-Neckar-Region. Beide Vereine sind nicht historisch gewachsen, sondern wurden mit vielen Millionen aus den Amateurligen in den Profifußball gedrückt. Zwei Vereine, die den "alten" Ihre Plätze strittig machen. Die letzten Opfer waren der Hamburger Sportverein, well known as HSV, und der VfB Stuttgart.  

Neben den mittlerweile vier "fremdfinanzierten" Vereinen gibt es noch drei Sonderrollen:

  • Schalke 04: Decken sich mit Millionen einer russisch-staatlichen Organisation ein und sind deren perfektes Propagandainstrument. Kein Endverbraucher in Deutschland kann sich ein Produkt der "NordS*ream" oder von "Gaz*rom" klicken, es ist einfach nur Propaganda an die Politik.
  • Borussia Dortmund: der BVB hat natürlich geschickt agiert, profitiert aber massiv von der riesigen Fanszene, die neben dem FCB kein Verein in Deutschland mehr aufbauen kann
  • FC Bayern München: Durch die Lage im reichsten deutschen Bundesland mit den finanzstärksten Unternehmen, konnte ein riesiger Investorenpool aufgebaut werden. Von der Tele*om über ADI*AS bis zu A*di (wird bald durch B*W ersetzt).

Natürlich wurde bei Schalke, Dortmund und den Bayern gut gearbeitet und diese haben sich Ihre Sonderrollen selbst erarbeitet. Kein Vergleich zu RasenBall, Hoffenheim, Leverkusen oder Wolfsburg. Aber gerade der FCB und BVB sind in einer derart exponierten finanziellen Stellung, dass andere Vereine dies mittelfristig nicht mehr annähernd aufholen können.

Das obere Tabellendrittel und damit alle Plätze zu den europäischen Wettbewerben wäre damit in einer "normalen" Saison schon besetzt:

FCB, BVB, RasenBall, Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und Schalke

Der erweiterte Kreis von Klubs wird ergänzt durch Vereine, die in einer finanz- und/oder einwohnerstarken Stadt liegen und damit automatisch große Investoren oder Sponsoren anziehen.

Hertha, Frankfurt, Köln und Gladbach

Gladbach nimmt eine Sonderstellung ein, da hier zwar weder eine finanzstarke noch eine große Stadt hinter dem Verein stehen, aber die Basis mit den Erfolgen in den 70ern und 80er Jahren wird den Verein noch sehr lange tragen. Es gibt wohl kein Flecken in Deutschland, in dem man keine "fanatischen" Fohlen-Anhänger findet. Die Plätze 1-11 sind somit vergeben.

Bleiben die "sicheren" Plätze 12-15. Und der Rest. In nachfolgender Aufzählung mal alle (Ex-Bundesliga)Klubs mit einer "längeren" Bundesligatradition:

Bremen, Augsburg, Mainz, Stuttgart, Hamburg, Freiburg, Nürnberg, Hannover

Hinzu kommen die, die sich langfristig eigentlich in der Bundesliga als fester Bestandteil sehen oder mehrere Saisons dort vertreten sein wollen (bzw deren Fans):

Düsseldorf, Kaiserslautern, Ingolstadt (Hallo A*di), Darmstadt, KSC, Bielefeld

In dieser Gemengenlage von 20 Vereinen (von denen zwei Absteigen müssen und zwei erst gar nicht mitspielen dürfen) muss Werder Bremen sich durchsetzen. Ohne den wirklich großen Etat und ohne die wirklich großen Sponsoren. Mercedes wird weiterhin dem VfB treu sein, Becks mit Annheuser-Busch wird nicht in den Fußball groß investieren und Kraft/Jacobs hat anscheinend auch kein großes Interesse.

Mit gutem Scouting kommst du auch nicht mehr weit. Das haben die anderen auch. Datenbanken zeigen alle Spieler der Welt mit Einsatzzeiten, Scoringpunkten, teilweise mit Videos der Aktionen. Unentdeckte Talente? Das war mal oder ist die große Ausnahme. Mit etwas Glück entwickelt sich ein Spieler doch besser als erwartet. Aber hier kriegst du pro Saison eben auch nicht sicher jemanden.

Das Werder so lange in der Bundesliga spielt ist ein Geschenk an uns. Wir müssen uns aber damit anfreunden, dass das irgendwann ein Ende haben muss. So lange wir uns die Millionen nicht in den Arsch blasen lassen wie Hamburg, Hannover oder Hertha. Bei allen drei hat aber auch das nicht zum Erfolg geführt. Bei RasenBall und Hoffenheim allerdings schon. Leider.

Werder bleibt Werder. Die Frage ist, was wir daraus machen. Sandhausen kann auch lustig werden. Die Stimmung kommt aus dem Block.