Februar 1, 2019

Ein alter Mann.

Ein alter Mann.

Henryk M. Broder ist bei Leibe kein unbekannter Mann. Seine Popularität verdankt er unter anderem auch, für seine schon immer kontroversen Meinungen, die er gut verpackt in die hiesigen Printformate packt.

Nun hat die AfD Bundestagsfraktion den Journalisten Broder (u.a. DIE WELT vom Axel Springer Verlag) zu einem Vortrag eingeladen. Kurz vor dem Vortrag umarmte die Fraktionsvorsitzende und Exil-Deutsche Alice Weidel Ihn, während der Social Media Beauftragte auf den Auslöser knipste. In Sekunden war das Bild auf allen AfD-Kanälen zu sehen. "Schauet her, wir laden einen Journalisten mit jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens ein! Wir sind soooo tolerant!"

Einige haben Broder nun vorgehalten, dass wäre zu viel nähe und mehr Distanz wäre für einen Journalisten gegenüber PolitikerInnen wohl angebracht. Man stelle sich vor, ein Spiegel-Journalist liegt Arm in Arm mit Andrea Nahles an der Theke und die SPD teilt das Bild. Nun hat Broder aber gesagt, er wäre hier - mehr oder weniger - überrumpelt worden und hätte sich der Situation nicht entschieden entzogen. Ich denke das man das durchaus so stehen lassen kann. Das passiert einfach. Eifer des Gefechts, ein Mann wie Broder - Social Media Abstinent - denkt wohl auch nicht an diese "Fallen".

Kommen wir jetzt aber mal zu seiner Rede. Und kurz vorweg mein Tweet dazu, nachdem ich den Abdruck in der WELT gelesen habe:

Ich zitiere hier mal Broder:

Ich glaube nicht einmal daran, dass es einen Klimawandel gibt, weil es noch keinen Tag in der Geschichte gegeben hat, an dem sich das Klima nicht gewandelt hätte.

Wow. Einfach nur wow. Weil es heute bei 5°C regnet und morgen bei 8°C die Sonne scheint, gibt es keinen menschengemachten Klimawandel. Da muss man erst mal drauf kommen, obwohl es so offensichtlich ist. Das Broder aber die Kausalität von Treibhausgasen, Atmosphäre und schmelzenden Polarkappen ignoriert, sowie sich über zehntausende Wissenschaftler stellt, die unisono sagen das der Mensch daran Schuld ist, ist ein starkes Stück. Das der aktuelle Klimawandel viel schneller von statten geht, als in der Geschichte der Erde, ignoriert Broder auch vollkommen.

Der weltweite Hype um eine 16-jährige Schwedin, die sich für eine Wiedergängerin von Jeanne d’Arc hält, hat das in diesen Tagen wieder bewiesen.

Was wäre ein Vortrag, wenn man Greta Thunberg nicht direkt mit eine reinhaut. Selbst wenn Greta im Kampf gegen den Klimawandel unrecht hätte, sollte ein 16-jähriges Mädchen, dass für seine Überzeugung kämpft, eher bestärkt denn beleidigt werden.

Politische Korrektheit setzt da ein, wo die Realität endet, bei den inzwischen über 70 Gender-Optionen, bei der ziemlich witzigen Behauptung, Mann und Frau seien keine biologischen Tatsachen [...]

Man muss Broder ja lassen, dass er einfach ein alter Mann ist. Und ältere Menschen haben eben manchmal Schwierigkeiten Dinge, die diese für Gottgegeben hielten, sich plötzlich ändern. Zum Beispiel, nur weil jemand eine Vagina hat, sich nicht als Frau fühlt. Oder jemand mit Penis der kein Mann sein kann oder will. So etwas schockiert den alten Herren. Penis ist Mann und Vagina ist Frau. Mann mag Autos. Frau mag Küchen. Das Leben wäre für Herrn Broder so viel einfacher, wenn er einfach andere Unterdrücken könnte, dass diese Ihr Geschlecht so handhaben, wie Broder das genehm wäre. Das die Realität einfach komplexer ist (und wahrscheinlich auch schon immer war), ignoriert er einfach, genauso wie er ignoriert, dass Menschen glücklicher werden könnten, wenn wir Ihnen denn die 70, 700 oder 7000 Gender-Optionen ließen. Who cares. Aber ein alter, weißer Mann reibt sich daran seinen dicken Bauch. Kann ja nicht sein, was man noch nie so gemacht hat.

Gegen Ende kommt Broder noch auf die Tat gegen Magnitz zu sprechen, der vor einigen Wochen niedergeschlagen wurde:

die (Anmerkung: Mitglieder der AfD) Wind säen, damit rechnen müssen, Sturm zu ernten. Wie Frauen, die eine gewisse Mitschuld haben, wenn sie sexuell belästigt werden, weil sie zu kurze Röcke tragen.

Nun ist es schon ein erheblicher Unterschied, ob man fordert, dass Menschen Flüchtlinge muslimischen Glaubens das Land verlassen sollen und man diese künftig lieber im Mittelmeer ertrinken lassen sollte oder einfach einen kurzen Rock trägt. Da kommt man allerdings nur drauf, wenn man zwei, drei Minuten nachdenkt und nicht seine geistigen Ergüsse einfach aufs Papier kotzt. Ist verrückt, klappt aber in aller Regel.

Leider sind wir immer noch nicht am Ende, wobei ich versuche so viel es geht zu überspringen. Broder lässt der Klimawandel immer noch nicht in Ruhe. Es gibt Menschen die behaupten dauernd das der Klimawandel menschengemacht wäre, aber das kann doch für Ihn nicht sein. Obwohl er die ganze Zeit die Meinungsfreiheit betont, muss er nun mit allen die Ihn für ein Werk des Menschen halten, abrechnen:

Die einen leugnen den Holocaust, die anderen das Klima, was nicht nur faktisch eine idiotische Analogie ist.

Die Analogie ist für einen dann idiotisch, wenn man ein Idiot ist und den menschengemachten Klimawandel für eine Lüge hält. Aber auch nur dann. Der Klimawandel ist durch Fakten tausendfach bewiesen worden. Der Holocaust ist durch Fakten tausendfach bewiesen worden. Nur wer eine Agenda hat, wieso dies jeweils nicht so sein sollte, der zweifelt diese Themen an. Bei Broder ist es wahrscheinlich die Agenda des nicht verzichten wollens. Es macht weniger Spaß die Umwelt mit seinem Reichtum zu verpesten, wenn man weiß das das für andere Generationen Konsequenzen hat. Das ist Broders Agenda und die brüllt er raus. Da sind selbst die Nazis von der AfD gut genug.

Und damit wären wir endlich am Ende. Henryk M. Broder hat sich damit endgültig selbst durchgespielt. Zeit für die publizierungslose Rente.