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der lebenslange wahnsinn. festgehalten in digitalen brotscheiben. rheinhesse aus leidenschaft. grün-weißes werder herz.

Schuldenbremse

Es gibt eine Regel die man in jedem BWL- und VWL-Studium lernt und die selbst die kennen, die nicht studiert haben - wie ich.

Die Ausgaben des einen, sind die Einnahmen des anderen.

Wie Geld entsteht, wissen ja die meisten. Kurz erklärt:

Bäcker Lampe braucht einen neuen Ofen. Also geht er zur Hausbank und leiht sich 1000 Euro. Die Hausbank geht zur Zentralbank und lässt sich 1000 Euro geben, die Zentralbank “druckt” das Geld und leitet es weiter. Die Hausbank gibt es nun Bäcker Lampe, der geht damit zum Ofenbauer und gibt ihm das Geld. Der Ofenbauer gibt davon 200 Euro dem Materialproduzenten, 100 Euro bekommt der Angestellte, 100 Euro kriegt der Vermieter etc.

Merke: Die Ausgaben des einen, hier der Bäcker Lampe, sind die Einnahmen des anderen, hier Vermieter, Produzent, Angestellte. Geld entsteht also, indem irgendjemand Schulden macht. In diesem Falle Investitionsschulden. Wenn nun alle ihr neu erworbenes Geld ausgeben, ist das Geld im Kreislauf und jeder bekommt etwas ab. Wenn nun allerdings die Produktionsfirma das Geld hortet, entzieht sie dem Markt das Geld und irgendjemand muss neue Schulden aufnehmen, ansonsten ist irgendwann der Geldfluß versiegt. Siehe Superreiche. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zu Ausgaben und Einnahmen.

Wir leben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten u.a. durch den Ukrainekrieg. Im Juni 2022 liegt die Inflation bei über 7%, vor allem verursacht durch hohe Energiekosten (>37%). Die Unternehmen und Investoren malen sich die schwärzesten Zeiten aus und entlassen Mitarbeiter, durch diese Entlassungswellen haben die Menschen weniger Geld und die, die das nicht betrifft sparen etwas mehr und müssen ihr Geld u.a. anders investieren, z.B. in Energie und gestiegene Lebensmittelpreise. Dieser Kreislauf führt dazu, dass Unternehmen weniger investieren, weil sie vorsichtiger werden um, wenn die Zeiten richtig schwierig werden sollten, nicht in eine Insolvenz zu rutschen. Wenn weniger investiert wird, ist weniger Geld im Markt, wenn weniger Geld im Markt ist, machen alle weniger Umsätze. Das Grundprinzip ist einfach zu verstehen und erschließt sich jedem.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, kann der Staat zum Beispiel mit einfachen Mitteln eingreifen: Investitionen in Infrastrukturprojekte, bessere Ausstattung von Schulen, Behördengebäuden, Kindergärten, Jugendräumen und so weiter. Die Ausgaben des einen (hier der Staat) sind die Einnahmen des anderen (hier private Unternehmen). Der Staat kann sich im Prinzip unbegrenzt verschulden, so lange er das Vertrauen im Markt hat, dass er die Zinsen bei den Gläubigern tilgt. Zinsen bei der EZB sind weniger das Problem, sondern eher bei privaten Anlegern und institutionellen Gläubigern die sich z.B. Staatsanleihen kaufen. So lange man bei der EZB sich aber frisches Geld hierfür besorgt, ist das kein Problem.

In wirtschaftlich starken Zeiten, in denen die Binnenwirtschaft sich selbst trägt, kann der Staat seine Investitionen zurückfahren und durch die hohen Steuereinnahmen seine Schulden tilgen und Zinsersparnisse generieren. Wenn unser Finanzminister aber nun in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Schuldenbremse wieder einführen will und zur schwarzen Null zurückkehren möchte, dann trägt er dazu bei, dass die Rezession definitiv kommen wird.

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