/ politik

Das Problem mit dem Social Freezing

Die Debatte um Social Freezing nimmt nach der nächsten Initiative von Google darum auch in Deutschland langsam fahrt auf.

Kurzer Erklärbär: Frauen am Anfang ihrer Karriere lassen sich Eizellen entnehmen und einfrieren um diese später sich wieder befruchtet einsetzen zu lassen. Die Kosten übernehmen die jeweiligen Arbeitgeber.

Prinzipiell eigentlich eine nette Sache, das Problem damit ist nur: Schreibt die Wirtschaft nun den Frauen vor, wann diese Kinder zu bekommen haben?

Ich habe keine Probleme damit, wenn $Frau sagt, sie möchte Anfang/Mitte 20 oder 30 noch keine Kinder. Zum Beispiel weil sie lieber noch die Freiheiten des Lebens ohne Kinder genießen möchte. Oder weil sie sich nicht bereit dazu fühlt. Oder weil ihr die Arbeit im Moment soviel Spaß macht, dass sie das weiter machen möchte.

Alles kein Thema, es wird auch noch tausend andere gute Gründe geben. Was wir als Gesellschaft aber verhindern müssen, ist ein wirtschaftlicher Druck im Hinterkopf der Menschen: Wenn ich früh Mutter werde, dann bin ich später von einer Karriere größtenteils abgeschnitten oder komme nicht weiter als meine jetzige Position.

In der Studie von Jauchs Talkshow am Sonntag Abend wurde besagt, dass 73% der Arbeitnehmerinnen nach der Geburt keine Karriere mehr machen konnte. Drei-und-sieb-zig Prozent! Ein unfassbarer Wert.

Wenn wir aber Social Freezing von Firmen nun kommentarlos hinnehmen, besteht durchaus die Gefahr, dass es in ein paar Jahrzehnten heißen könnte: Wieso beschwerst du dich, dass du keine Karriere machen konntest? Hättest ja nicht mit Ende 20 schwanger werden müssen, hättest dir ja auch deine Eizellen einfrieren lassen können.

Wir leben nun einmal in einer Gesellschaft in der man zwar ohne Arbeit und mit HartzIV überleben kann, aber nicht wirklich ein Teil von ihr ist. Wenn wir es also hinnehmen, dass Frauen die Kinder bekommen danach für die Firma nicht mehr als "Aufsteigerin" in Frage kommen, dann läuft etwas schief.

Die wahre Freiheit ist es nämlich nicht, erst spät Kinder bekommen zu können, sondern genau dann, wenn ein Paar sich dazu entscheidet und trotzdem Jobtechnisch alles verläuft als ob keine Kinder da wären.

Genau das ist damit gemeint, wenn ich sage, dass die Menschen nicht für die Wirtschaft da sind, sondern die Wirtschaft für die Gesellschaft.